{"id":8679,"date":"2026-09-15T13:59:27","date_gmt":"2026-09-15T11:59:27","guid":{"rendered":"https:\/\/wafdal.org\/2026\/09\/15\/healthy-breed\/"},"modified":"2026-09-15T14:11:47","modified_gmt":"2026-09-15T12:11:47","slug":"healthy-breed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wafdal.org\/de\/2026\/09\/15\/healthy-breed\/","title":{"rendered":"Healthy Breed"},"content":{"rendered":"<p>Mit gro\u00dfer Sorge verfolgen wir die aktuellen Entwicklungen zur Hundeausstellung \u201eHund und Pferd\u201c im November 2026 in Dortmund. Das zust\u00e4ndige Veterin\u00e4ramt hat Ma\u00dfnahmen angeordnet, um Hunde mit sogenannten Qualzuchtmerkmalen von der Ausstellung auszuschlie\u00dfen. Nahezu alle Rassen sind betroffen, f\u00fcr den Dalmatiner werden Nachweise verlangt, die aus unserer Sicht weder wissenschaftlich begr\u00fcndet noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sind.  <\/p>\n<p>Im Wesentlichen werden dem Dalmatiner zwei sogenannte Qualzuchtmerkmale unterstellt. Zum einen geht es um Taubheit. Ohne wissenschaftliche Grundlage und ohne festgelegte Grenzwerte wird hier von einem Teil der Hunde ein Geh\u00f6rtest verlangt, je nach Wei\u00dfanteil an den Ohren. Dalmatiner mit haupts\u00e4chlich pigmentierten Ohren m\u00fcssten keinen Geh\u00f6rtest vorlegen, w\u00e4hrend Dalmatiner mit vornehmlich wei\u00dfen Ohren einen Geh\u00f6rtest nachweisen m\u00fcssten. Dass dieses Vorgehen wissenschaftlich nicht fundiert und v\u00f6llig subjektiv ist, muss hier nicht weiter ausgef\u00fchrt werden. Da laut VDH-Ausstellungsordnung ohnehin keine tauben oder einseitig h\u00f6renden Hunde ausgestellt werden d\u00fcrfen, ist diese Auflage zudem v\u00f6llig unn\u00f6tig. Au\u00dferdem wird verkannt, dass sich dank der jahrelangen freiwilligen Ma\u00dfnahmen der Dalmatinerz\u00fcchter die Taubheitsrate beim Dalmatiner nicht mehr wesentlich von den Taubheitsraten manch anderer Rassen unterscheidet. Trotz der Unsinnigkeit kann diese Auflage allerding in aller Regel m\u00fchelos erf\u00fcllt werden, da nahezu alle in Europa gez\u00fcchteten Dalmatiner \u00fcber ein BAER-Test-Zertifikat verf\u00fcgen.       <\/p>\n<p>Wesentlich schlimmer ist die Auflage zum Thema Hyperurikosurie. Das Veterin\u00e4ramt fordert entweder einen Gentest, der beweist, dass es sich um einen LUA-Dalmatiner handelt, oder aber einen tier\u00e4rztlichen Blut- und Urintest ohne Befund. Diese Auflage f\u00fchrt nach unserer Meinung dazu, dass gro\u00dfe Teile unserer Rasse grundlos von dieser Ausstellung ausgeschlossen sind, oder zumindest unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Tests nachweisen m\u00fcssen. Nachweislich sind die Auflagen wissenschaftlich und medizinisch falsch formuliert. Hier wird eine genetische Disposition verwechselt mit dem Auftreten medizinisch relevanter Symptome. Die deutschen Gesetze erlauben lediglich einen Ausschluss von Tieren mit nachweisbaren Symptomen (Leid, Schmerzen, gest\u00f6rtes Sozialverhalten), nicht jedoch den generellen rassenweiten Ausschluss symptomfreier Tiere.     <\/p>\n<p>Die invasive Entnahme von Urinproben per Katheter w\u00fcrde zu massivem Leid bei dem betroffenen Hund f\u00fchren (Entz\u00fcndungsrisiko, Verletzungsrisiko, Stress, Schmerzen,\u2026) und steht somit nicht im Verh\u00e4ltnis zum vermuteten gesundheitlichen Risiko.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rde behandelt allein die Tatsache eines erh\u00f6hten Harns\u00e4ure-Spiegels als Qualzucht-Merkmal, ohne hierf\u00fcr wissenschaftliche Nachweise vorlegen zu k\u00f6nnen. Wie h\u00e4ufig der Dalmatiner tats\u00e4chlich Uratsteine ausbildet, l\u00e4sst sich schwer zweifelsfrei ermitteln, da es gro\u00dfe Unterschiede zwischen einzelnen Populationen und sogar Zuchtlinien zu geben scheint. Die WAFDAL hat bereits vor vielen Jahren eine Untersuchung zur H\u00e4ufigkeit von Uratsteinen durchgef\u00fchrt. Das Ergebnis lag damals bei 2%, bezogen auf Daten aus Holland und Norwegen. Da das Risiko zur Bildung von Uratsteinen auch von Umweltfaktoren abh\u00e4ngt, muss hier von einer Mischung aus Umwelt-Einfl\u00fcssen (F\u00fctterung, Fl\u00fcssigkeitsgabe, Aktivit\u00e4tslevel,\u2026) und komplexer Genetik ausgegangen werden, die \u00fcber das genannte Gen SLC2A9 hinausgeht. Diese komplexe Situation wurde von der Beh\u00f6rde nicht beachtet.    <\/p>\n<p>Wir sehen zudem den Gleichheits-Grundsatz verletzt: Allgemein bilden Haushunde unabh\u00e4ngig von ihrer Rasse in bis zu 3% der F\u00e4lle im Laufe ihres Lebens Blasensteine. Somit scheint der Dalmatiner nicht h\u00e4ufiger von Steinen betroffen zu sein als andere Hunde. In einer Erhebung eines bekannten deutschen Labors landet der Dalmatiner nicht einmal in den \u201etop 20\u201c der von Blasensteinen betroffene Hunde- und Katzenrassen. Andere Stein-Arten (z.B. Struvit, Oxalat) kommen im Haushund wesentlich h\u00e4ufiger vor als Uratsteine, blieben aber vom zust\u00e4ndigen Veterin\u00e4ramt unbeachtet. Das Vorgehen gegen den Dalmatiner erscheint hier also willk\u00fcrlich, denn bei anderen Rassen wurden keine Auflagen wegen Blasensteinen auferlegt. Aus dem reinen Genotyp (HUA\/LUA) oder undefinierten Blut- und Urinuntersuchungen kann jedenfalls nicht gefolgert werden, ob ein einzelner Hund konkret an Uratsteinen oder gar anderen Steinen leidet.     <\/p>\n<p>Aus unserer Sicht Sind die genannten Auflagen wissenschaftlich nicht zu begr\u00fcnden, die auferlegten Ma\u00dfnahmen sind nach unserer Meinung tierschutzrechtlich schlimmer zu bewerten als das geringe Risiko von Uratsteinen. Aus rechtlicher Sicht sind beh\u00f6rdliche Bescheide, die sich auf fehlerhafte wissenschaftliche Quellen st\u00fctzen, im \u00dcbrigen ung\u00fcltig. <\/p>\n<p>Wir verurteilen das Vorgehen der verantwortlichen Beh\u00f6rden und weisen die Einteilung des Dalmatiners als \u201eQualzucht\u201c-Rasse als unbegr\u00fcndet und falsch zur\u00fcck. Unsere deutschen Mitgliedsvereine wehren sich \u2013zusammen mit weiteren Vereinen- zurecht gegen dieses unwissenschaftliche und offenbar von Ideologie getriebene Vorgehen. Es darf nicht akzeptiert werden, dass eine kleine laute Minderheit an Tierrechts-Fundamentalisten ihre pers\u00f6nliche Ideologie durchsetzt, politischen Einfluss gegen den Willen der demokratischen Mehrheit nimmt, und auf diesem Wege offenbar auch Beh\u00f6rden beeinflusst.  <\/p>\n<p>Die WAFDAL unterst\u00fctzt ausdr\u00fccklich den Gedanken des Tierschutzes und f\u00f6rdert die Zucht m\u00f6glichst gesunder Hunde. Der Dalmatiner ist hier beispielhaft, denn bereits seit Jahrzehnten ergreifen unsere Z\u00fcchter freiwillig diverse Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Gesundheit, beispielsweise Geh\u00f6rtests oder Zuchtprogramme. Mit einer Lebenserwartung von ca. 13 Jahren \u00fcbertrifft der Dalmatiner vergleichbare Rassen und auch Mischlinge.  <\/p>\n<p>\u00dcberzogene Ma\u00dfnahmen, die ohnehin nur die registrierten Z\u00fcchter betreffen, werden von uns in aller Deutlichkeit abgelehnt. Der Erhalt der Gesundheit unserer Rasse kann nur im Dialog mit den Z\u00fcchtern erreicht werden, nicht durch Gesetze oder Beh\u00f6rdenbescheide. Dem Tierschutz ist nicht geholfen, wenn registrierte Z\u00fcchter diskriminiert werden und sich somit die Zucht in die Hinterh\u00f6fe oder in andere L\u00e4nder verlagert.  <\/p>\n<p>Bereits vor 4 Jahren haben wir \u00f6ffentlich auf die Gefahr hingewiesen, dass unter dem Deckmantel des Tierschutzes immer massiver gegen die Rassehundezucht vorgegangen wird. Unsere damaligen Bef\u00fcrchtungen haben sich leider \u00fcber die Jahre best\u00e4tigt. Unter Verwendung von gro\u00dfenteils wissenschaftlich falschen Behauptungen wird aktiv gegen die Rassezucht vorgegangen, oftmals unter Missachtung oder Fehlinterpretation der gesetzlichen Grundlagen.  <\/p>\n<p>Bereits damals haben wir angedeutet, dass die Regulierungen der Ausstellungen nur ein erster Schritt sind, und im zweiten Schritt auch die Zucht und sp\u00e4ter auch die Haltung von Rassehunden eingeschr\u00e4nkt werden soll. Auch hier haben sich unsere Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigt, denn Mitte August 2026 wurde das EU-Gesetz zum Tierwohl verabschiedet. Dort ist in Artikel 8 geregelt, dass Z\u00fcchter Hunde mit bestimmten nachteiligen Genotypen nicht mehr in der Zucht einsetzen sollen. Also bereits das Vorhandensein eines Genotyps (selbst wenn dieser sich nicht ph\u00e4notypisch auswirkt) soll zum Zuchtverbot f\u00fchren. Sollte sich also die Meinung festsetzen, dass HUA Dalmatiner dank ihrer einzigartigen SLC2A9-Variante einen gesundheitsgef\u00e4hrdenden Genotyp tragen, wird ab Geltung dieses Gesetzes keine normale Dalmatinerzucht mehr m\u00f6glich sein.    <\/p>\n<p>Somit handelt es sich also mittlerweile nicht mehr nur um ein \u201eDeutsches Problem\u201c, und die Ausstellung in Dortmund ist nur die Spitze des Eisberges. Wir alle m\u00fcssen verstehen, dass es sich hier um eine EU-weite Bedrohung f\u00fcr das Fortbestehen unserer Rasse und der gesamten Rassehundezucht handelt. Es liegt nun an uns allen, egal ob WAFDAL-Mitglied oder nicht, unsere Anstrengungen international zu koordinieren und die n\u00e4chsten Jahre zu nutzen, um der Dalmatinerzucht sowie dem Ausstellungswesen eine Zukunft zu erm\u00f6glichen.  <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/wafdal.org\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Healthy-Breed_en.pdf\">PDF-Download_en<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/wafdal.org\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Healthy-Breed_de.pdf\">PDF-Download_de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/wafdal.org\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Healthy-Breed_fr.pdf\">PDF-Download_fr<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit gro\u00dfer Sorge verfolgen wir die aktuellen Entwicklungen zur Hundeausstellung \u201eHund und Pferd\u201c im November 2026 in Dortmund. 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